Für mich gehört die Regenzeit in Namibia zur schönsten Jahreszeit. Wenn es in Namibia regnet, atmet das ganze Land auf. Mein Bruder erzählt immer grinsend, dass das eine gefährliche Zeit für Urlauber sei. Typisch für Deutsche wäre, dass sie bei Beginn des Regen unter das Dach flüchten und die Einheimischen würden Freudestrahlend nach außen in den Regen laufen. Dabei komme es zu Kollisionen!
Ein bisschen Wahres ist da sicher dran.
Nach einiger Zeit, wenn es gut geregnet hat, schauen Schwarz und Weiß nach jedem Termitenhügel.
Termiten züchten Pilze im Innern der Termitenhügel und bilden so einen Vorrat für die Kolonie. Die Menschen in Namibia kennen die Pilze, die sehr gerne gegessen werden. Ich könnte „mich reinsetzen“, so gut schmecken die mir.
Wenn es gut regnet, wachsen die Pilze schneller, als sie „verbraucht“ werden können und kommen an den Außenseiten der Termitenhügel zum Vorschein und sind so gut zu finden.
Ein wenig sehen sie wie ein zu groß geratener Champignon aus. Wenn sie noch klein sind, also etwa Handtellergroß, schmecken sie besonders gut. Wenn sie größer sind, werden sie bei meinem Bruder auf der Farm in Scheiben geschnitten, paniert und wie Kalbsschnitzel zubereitet. Sie schmecken einfach herrlich.
Leider gibt es diesen Genuss nur ganz kurz in der Regenzeit in Namibia.
Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell die Natur auf den Regen reagiert.
Ich habe es persönlich erlebt, als der Swakop so viel Wasser führte, dass er durch die Namib den Atlantik erreichte. Das war vorher fast dreißig Jahre nicht passiert.
Innerhalb kürzester Zeit hörte man das erste Quaken, das sich schnell steigerte und so laut wurde, dass man sich nur wundern konnte.
Diese Tiere waren Jahrzehnte lang tief im Sand eingegraben, in einer Totenstarre, bis die ersten Wassertropfen sie erreichten. Schnell waren sie putzmunter. Die Paarung musste ja schnell gehen, denn das Wasser läuft nicht lange und es muss für Nachwuchs gesorgt werden. Die neue Generation der Frösche gräbt sich wieder ein und erwacht erst wieder zum Leben, wenn der nächste Regen sie „aufweckt“. Das kann allerdings wieder sehr lange dauern.
Einfach Unglaublich.
An manchen Revieren kommt man noch ohne jeglichen Probleme durch und plötzlich steht man vor einem „reißenden Fluss“. Zurück geht meist auch nicht mehr, weil viele dieser Reviere, die man vorher noch problemlos durchqueren konnte, jetzt ebenfalls Wasser führen. Ob man noch durchfahren kann, sollte man tunlichst erst prüfen.
Gut ist es dann, wenn man weiß, in welche Richtung die Fahrt voraussichtlich noch möglich ist. Ich habe das, zum Erstaunen meines Bruders, nie kapiert. Woher soll ich wissen, wo welche „Bäche“ zusammenfließen und in welche Richtung?
Normalerweise kann man davon ausgehen, dass man fest hängt, wenn die Reviere laufen. Wenn man noch eine Farm erreichen will, ist das reine Glückssache oder man weiß, in welche Richtung man noch durchkommen kann.
Ebenso faszinierend ist es, wenn uralte knorrige Bäume, die völlig vertrocknet wirken, schon nach wenigen Tagen Regen erstes Grün sprießen lassen. Die Regenerationsfähigkeit der Natur ist unglaublich und in Namibia noch mehr als anderswo.
In der Regenzeit wird auch in kürzester Zeit die Vegetation grün. Jetzt mit dem Allrad über „abenteuerliche“ Wege querfeldein zu fahren, ist Freude pur. Allerdings nur mit einem Fahrer, der sich auskennt.
Auch die Jagd wird in der Regenzeit schwieriger. Durch das dichte Buschwerk sieht man die Tiere kaum und muss entsprechend viel Zeit einplanen.
Ich jage nur mit der Kamera, habe allerdings eingesehen, dass die Jagd notwendig ist. Alleine für die schwarzen Farmhelfer ist der Farmer verpflichtet, wenigstens jede Woche frisches Fleisch zu besorgen. Wenn das aus diversen Gründen einmal nicht möglich sein sollte, wird doch sehr gedrängelt, dass „der Mister“ auf die Jagd geht.
In den letzten Jahren mussten wegen der anhaltenden Trockenheit nicht nur Rinder verkauft oder notgeschlachtet werden, sogar Kudus und Gemsböcke wurden immer schwächer und sind in großen Mengen verhungert. Hier war ein Gnadenschuss eine Erlösung, wenn man die Tiere denn überhaupt zu Gesicht bekam.
Die Natur ist hier knallhart und unerbittlich. Die älteren Tiere haben das Gebiss „konkav“. Das heißt, die Kiefer liegen nicht aufeinander sondern die Zähne berühren sich nur an den Rändern. Das bedeutet, die älteren Tiere können nur größere Blätter abreißen. Die neuen Blatttriebe sind zu klein und können nur von Jungtieren abgerupft werden, so habe die eine größere Überlebenschance.
Auf Erindi Onganga, der Gästefarm meines Bruders gibt es eine Hochebene, die kurze Zeit nach Beginn der Regenzeit mit Zehntausenden Lilien übersäht ist.
Ein unglaublich toller Anblick und ein betörender Duft, der wegen der Masse der Blüten sehr intensiv ist.
Wenn die Lilien langsam verblühen, wechselt der Duft langsam in penetranten Duft oder Gestank?
Im Großraum Omaruru, Kalkfeld und Omatjette ist das Gelände hügelig und bietet immer wieder Rundblicke bis zum Horizont. Hier mit dem Allrad hochzufahren, macht sehr viel Spaß. Allerdings kann es passieren, dass sich immer wieder Basaltplatten lösen, auf denen man gerade fährt. Wenn Platte und Auto nach ein paar Metern hängen bleiben, atmet man durch und fährt weiter nach oben.
Überhaupt, der Aufenthalt auf einer Gästefarm gehört für mich immer zu den Highlights eines Namibia Aufenthalts. Hier gibt es so unglaublich viel Abwechslung, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.
Ich liebe es, größere Strecken zu joggen. Man sollte sich ab und zu umdrehen, um sich einzuprägen, wie der Weg, den man gekommen ist, von der anderen Seite aussieht. Das kann so unterschiedlich sein, dass ein Verlaufen möglich ist und mir, trotz guter Ortskenntnis, schon mehrfach passiert ist.
Jetzt helfen einem der Sonnenstand (wenn man nicht gerade Mittags läuft, was man sowieso wegen der Hitze nicht machen sollte) und die Wasserstellen an den Windmotoren, die immer an den Kreuzungen der Kamps zu finden sind, weiter. Der Weg wird jetzt sicher deutlich weiter, aber man kommt zurück zur Farm.
Farmen, die im Süden mehr als 20.000 ha groß sind, erreichen um Omaruru immerhin noch Ausmaße von 10 – 15.000 ha. Wenn man da falsch läuft, ist man unter Umständen lange unterwegs.
Namibia ist ein wahr gewordenen Traum, den man immer öfter träumen möchte.
Hier erhalten Sie ein paar Tipps, die man unbedingt beachten sollte, wenn man nach Namibia reisen möchte. Hier können Sie sich die Tipps ansehen: